Durchwachsene Silphie – Erste Ergebnisse aus Niedersachsen

Die Pflanze mit lateinischem  Namen Silphium Perpholiatum ist eine ausdauernde Staude und gehört zur Familie der Korbblütler. Die produktive Standzeit beträgt min-destens 10 bis 15 Jahre. Ursprünglich stammt sie aus Nordamerika und wurde über die damalige UDSSR in die DDR eingeführt. Man wollte die Silphie zu Futterzwecken nutzen. Durch die raue Unterseite der Blätter ist sie nicht besonders schmackhaft und wird ungern gefressen. Somit geriet die Kultur in Vergessenheit,  die Verwen-dungsmöglichkeit als Nawaro in Biogasanlagen macht sie heute aber wieder sehr interessant. Schon seit einigen Jahren führt die thüringische Landesanstalt für Land-wirtschaft (TLL) hierzu Versuche durch. Um für die niedersächsischen Klimabedin-gungen Düngungsempfehlungen ableiten zu können,  führt die Landwirtschaftskam-mer Niedersachsen eigene Düngungsversuche an insgesamt drei Standorten durch. Diese wurden im Mai 2009 angelegt. Erste Ergebnisse werden hier vorgestellt.

Die Ansprüche an den Boden sind gering. Staunasse Standorte sind nicht geeignet. Da diese Kultur aus Nordamerika stammt, ist sie an unsere Klimabedingungen ange-passt.  Die Durchwachsene Silphie besitzt schlechte Keimeigenschaften. Nach der Saat kann das Auflaufen bis zu drei Monate dauern. Bei der freien Aussaat auf der Fläche führt dies zu erheblichen Problemen. Man arbeitet zurzeit an Verfahren der Saatgutbehandlung um eine erfolgreiche Saat zu gewährleisten. Dies kann noch drei bis vier Jahre dauern. Vor diesem Hintergrund wird momentan noch vorgezogenes Pflanzgut verwendet. Die optimale Pflanzzeit ist Ende Mai bis Anfang Juni. Es wer-den vier Pflanzen je m² bei einem Reihenabstand von 50 cm gesetzt. Es sollte eine optimale Vorbereitung mit Pflug und anschließender Saatbettbereitung erfolgen.  Die 10 cm großen Jungpflanzen haben zwei bis drei Blätter und entwickeln im ersten Jahr Blattrosetten, die einen Bestand von 20 – 30 cm Höhe bilden. Das Anlagejahr dient ausschließlich der Bestandesetablierung. Einen erntewürdigen Bestand wird es erst ab dem zweiten Jahr geben.

Pflanzenschutz
Gerade im Anlagejahr ist die Unkrautbekämpfung sehr wichtig. Dies kann mecha-nisch geschehen, was diese Kultur auch für ökologisch wirtschaftende Betriebe sehr interessant macht. Aber auch Herbizidanwendungen sind möglich. Aufgrund des nicht nennenswerten Anbauumfangs in Deutschland ist noch kein Pflanzenschutzmit-tel zugelassen. Somit darf eine Anwendung grundsätzlich nur nach einer Ausnahme-genehmigung nach § 18b des Pflanzenschutzgesetzes durch das zuständige Pflan-zenschutzamt erfolgen. Möglich ist zum Beispiel der Einsatz von 3,5 l Stomp aqua. Beim Pflanzenschutz sollte Rücksprache mit der LWK gehalten werden, um aktuelle Empfehlungen berücksichtigen zu können.  DüngungDer N Sollwert liegt bei ca. 160 kg N/ha abzüglich des Nmin – Wertes zum Vegetati-onsbeginn. Bei der Grunddüngung liegen die von der TLL empfohlenen Werte bei:P2O5      55  –   70 kg/haK2O   180  – 240 kg/haMgO    80  – 120 kg/ha

Die Düngung sollte komplett im März/April zum Austrieb der Pflanze erfolgen. Erste Versuchsergebnisse zeigen, dass eine Gärrestdüngung möglich ist. Beschädigungen der austreibenden Pflanzen sind bei der Ausbringung zu vermeiden. Die Zeit, zu der organisch gebundener Stickstoff mineralisiert wird, passt zum Zeitraum des Nähr-stoffbedarfs der Silphie. Zu hohe Stickstoffgaben dürfen nicht gegeben werden, da sonst Lagergefahr droht.

Im Winter frieren die Pflanzen komplett ab. Im darauf folgenden Jahr treiben die Pflanzen im März / April wieder neu aus. Es werden 6 bis 8 Triebe je Pflanze gebil-det. Das Wachstum ist dann sehr rasch. Bereits im Mai ist ein kräftiger Bestand ent-standen, der die Reihen geschlossen hat. Somit erübrigt sich ab dem zweiten Stand-jahr in der Regel jegliche Herbizidmaßnahme. Da noch keine langjährigen Anbauer-fahrungen vorliegen, können noch wenig Aussagen zur Anfälligkeit gegenüber Krankheiten und Schädlingen gemacht werden. Bislang unter ungünstigen Bedin-gungen beobachtetes Auftreten von Sklerotinia konnte durch zügige Beerntung und damit geringe Bildung von Dauerfruchtkörpern bekämpft werden; die Bestände trie-ben im Folgejahr wieder aus.

Die Silphie wächst bis zu 3 m hoch und blüht von Ende Juni bis Ende September. Die leuchtend gelben ca. 6 bis 8 cm breiten Blütenköpfchen stehen einzeln und end-ständig (siehe Foto). Die Blühzeit ist sehr lang und es kommen immer wieder neue Blüten, die dann abreifen. Während die ersten schon in der Samenreife sind und ausfallen, beginnen die letzten noch im September zu blühen. Dies macht die Pro-duktion von Saatgut übrigens auch so schwierig. Dies geschieht nach wie vor von Hand, bei einem Samenertrag von unter 500 kg je ha. Die andauernde Blüte sorgt für ein sehr schönes Erscheinungsbild und somit für eine Bereicherung des Land-schaftsbildes. An den richtigen Stellen angebaut, kann viel Positives für die Akzep-tanz der Bioenergieerzeugung in der Öffentlichkeit getan werden. Durch die lange Blühzeit im Spätsommer, ist die Silphie bei Imkern ebenfalls sehr willkommen.

Im September kann dann die Ernte mit der gleichen Erntekette wie im Energiemais erfolgen. Die Silphie lässt sich gut häckseln und besitzt gute Siliereigenschaften. Aus arbeitswirtschaftlichen Gründen bietet es sich an, die Ernte gleichzeitig mit der Mais-ernte durchzuführen. So ist es auch nicht nötig eine eigene Miete hierfür anzulegen.

Erste Ergebnisse der LWK Niedersachsen

An drei Versuchsstandorten  Werlte (EL), Poppenburg (HI) und Dasselsbruch (CE)
wurden im Mai 2009 N-Düngungsversuche mit der Durchwachsenen Silphie ange-legt, die im Herbst 2010 im 2. Anlagejahr beerntet wurden. Die Bestände hatten sich optisch sehr gut entwickelt. Auf den leichteren Standorten Werlte und Dasselsbruch wurden durchschnittliche Erträge von ca. 120 dt TM/ha und auf dem Bördestandort Poppenburg 165 dt TM/ha erzielt. Allerdings lagen die TM-Gehalte mit gut 22 % deut-lich unter den angestrebten Werten von ca. 28 %. Zur optimalen N-Düngung lassen sich aufgrund der einjährigen Ergebnisse noch keine Empfehlungen ableiten.

Zur Gasausbeute und zu den Inhaltsstoffen erfolgen noch weitere Untersuchungen. Untersuchungen der TLL (Thüringen) hierzu zeigen, dass die Silphie eine mit dem Mais vergleichbare spezifische Methanausbeute hat.

Diese ersten Ergebnisse zeigen, dass die Ertragserwartungen der Silphie in Nieder-sachsen auf einem guten Standort hinter denen des Maises liegen werden. Die Pflanze bildet ein gutes Wurzelwerk und mit ihrer bis zu 1,20 m langen Pfahlwurzel kann die Durchwachsene Silphie auch auf sehr leichten Standorten, die zur Sommer-trockenheit neigen, noch Wasser erschließen.
Für vergleichsweise kleine Schläge oder Schläge mit unförmigem Zuschnitt kann die Silphie eine gute Alternative sein, da abgesehen von der Düngung und der Ernte keine weitere Bearbeitung der Fläche nötig ist. Denkbar wäre auch der Anbau auf sehr steinigen Böden mit schwieriger Bodenbearbeitung, die dann in den Folgejahren entfällt. Möglich ist auch der Anbau auf Flächen auf denen auf den Einsatz von Pflanzenschutzmittel verzichtet werden soll oder muss, zum Beispiel auf Gewässer-randstreifen oder im Ökolandbau.

Im GAP Flächenantrag ist die Silphie zurzeit mit 890 „Sonstige Dauerkulturen“ zu codieren. Sollte der Anbauumfang in Niedersachsen zunehmen, wird es einen eige-nen Kulturcode geben.

In Niedersachsen bietet die Landwirtschaftskammer gemeinsam mit dem 3N Kompetenzzentrum für nachwachsende Rohstoffe, für interessierte Landwirte, im Rahmen des Projektes „Regionale Bioenergieberatung und Öffentlichkeitsarbeit Energiepflan-zen“ ausführliche Informationen zur Verwendung der Durchwachsenen Silphie an, sowie Hilfestellungen beim Anbau durch entsprechende Beratung. Um die Anbau-kosten im Rahmen zu halten, werden alle Nachfragen nach Pflanzgut gebündelt und an den Lieferanten weitergegeben. Zur Bestandesetablierung und –führung werden Anbauhinweise angeboten. Um die Öffentlichkeit zu informieren, werden einheitliche Informationsschilder am Feldrand zur Durchwachsenen Silphie zu Verfügung gestellt.

Kontaktdaten:
Ansprechpartner bei der LWK hierfür sind: Julia Becker, Tel.: 0511 36651385 

julia.becker(bei)lwk-niedersachsen.de

oder Frerich Wilken, Tel.: 0441 801-433

frerich.wilken(bei)lwk-niedersachsen.de

Weitere Informationen auch unter www.lwk-niedersachsen.de

Tab.1: Durchwachsene Silphie: TM-Ertrag und Bestandeseigenschaften