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Ökonomie und Ökologie im Einklang

Die Bodensee-Stiftung möchte die Erkenntnisse aktueller Forschungsprojekte zum alternativen Energiepflanzenanbau gemeinsam mit weiteren Partnern in der Bioenergie-Region Bodensee in die Praxis umsetzen. In Kooperation mit Biogaslandwirten sollen spezielle Saatenmischungen aus Wild- und Kulturpflanzen ausgebracht werden um die Monotonie der Maislandschaften in blühende Flächen zu verwandeln – und das ohne Einbußen bei dem Biomasse- und Methanertrag. „Nicht zuletzt der Tourismus würde mittelfristig von der größeren Vielfalt unserer Landschaft profitieren, auch die Akzeptanz der Bevölkerung für Biomasse-Nutzung würde sicherlich wieder steigen“, so Volker Kromrey, Regionalmanager der Bioenergie-Region Bodensee.
Bioenergie verändert unser Landschaftsbild Die Nutzung von Biogas gilt als umweltfreundliche und fortschrittliche Energieform. In der Bioenergie-Region Bodensee gibt es derzeit rund 60 Biogasanlagen. Diese setzen neben Abfall- und Reststoffen in der Mehrzahl auf Energiemais, der dazu in immer größerem Umfang auf immer mehr Flächen angebaut wird. Dieser erhebliche Flächenanspruch durch eine oft in Monokultur angebaute Kulturpflanze verändert unser Landschaftsbild dramatisch und hat auch tiefgreifende Auswirkungen auf die biologische Vielfalt in unserer Agrarlandschaft. Unbestritten ist mittlerweile, dass die Anzahl an Insekten und Vögeln in der Agrarlandschaft direkt von der Vielfalt der Kulturpflanzen abhängig ist. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, je mehr unterschiedliche Fruchtartengruppen zum Einsatz kommen, desto höher ist die Artenanzahl in den Untersuchungsgebieten.
Der Mais ist hierbei nicht schlechter oder besser zu bewerten als andere Kulturpflanzen. Die negativen Auswirkungen kommen in erster Linie durch den massiven und großflächigen Anbau zustande, welcher häufig in mehreren aufeinanderfolgenden Jahren erfolgt und über einige Hektar erstreckt (fehlende Fruchtfolge und Monokultur). Unsere sonst recht anpassungsfähigen wildlebenden Tier- und Pflanzenarten sind in monotonen Maislandschaften nicht in der Lage, auf angrenzende Flächen auszuweichen und dort zu überdauern. Vielfältige Fruchtfolgen können dieses Problem weithin lösen, wie die Wissenschaftler des Leipniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung Müncheberg (ZALF) im Deutschlandweiten Verbundprojekt EVA herausgefunden haben.
Ein besonders spannender Ansatz kommt aus Bayern. Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) arbeitet mit weiteren Partnern in dem Projekt „Lebensraum Brache“ zusammen und entwickelt spezielle Saatgutmischungen artenreicher Wildpflanzen speziell für die Biogasproduktion. Die Ergebnisse sind überraschend positiv und erregen deutschlandweit die Aufmerksamkeit von Landwirten und Naturschutzverbänden zugleich. Auf Versuchsflächen in Bayern und Niedersachsen wurden unterschiedliche Mischungen ausgesät und auf die Masse- und Methanerträge hin untersucht. Die ökonomisch optimierten Mischungen zeigten sehr hohe Zuwächse und brachten teilweise Biomasseerträge, welche deutlich über denen von Mais lagen. Durch die abgestimmten Mischungen aus ein-, zwei- und mehrjährigen Wild- und Kulturarten können mit geringem Aufwand über einige Jahre stabile und artenreiche Bestände entstehen. Dem Landwirt entstehen weder Kosten für die Düngung noch für den Einsatz von Pestiziden, damit stellen solche Anbausysteme eine echte und ökonomische Alternative zum bisherigen Biomasseanbau dar.
www.bioenergie-region-bodensee.de
www.bodensee-stiftung.org

