Fachgespräch Pflanzenölkraftstoff
Überregionaler Erfahrungsaustausch der Ölmüller aus Thüringen und Sachsen
Am 04. und 05.11.2010 fand in Clausnitz das diesjährige Ölmüllertreffen in Kooperation zwischen den Bioenergieberatungen Thüringen und Sachsen statt.
Die zweitägige Veranstaltung kannte vor allem zwei Gesprächsthemen: die neue DIN 51605 für Rapsölkraftstoff und die zum Jahresende in Kraft tretende Nachhaltigkeitsverordnung.
Zum Auftakt der Veranstaltung mit 24 Teilnehmern aus beiden Bundesländern, stand die aktuelle Situation der dezentralen Verarbeitern in Sachsen und Thüringen im Fokus. Trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage und den zunehmenden Anforderungen für diesen Sektor behaupten sich nach wie vor über 30 Ölmühlen in beiden Ländern. Maßgeblich für den wirtschaftlichen Erfolg sind vor allem die enge Zusammenarbeit mit landwirtschaftlichen Betrieben und eine langfristige Ausrichtung der Geschäftspolitik. Die Einschätzung der Teilnehmer zur aktuellen Situation des regionalen Biokraftstoffmarktes war verhalten optimistisch. Da diese langfristig von den Vorteilen dezentraler Rapssaatverarbeitung überzeugt sind, wollen die meisten von ihnen auch weiterhin ihren Beitrag zur umweltfreundlichen Kraftstoffproduktion beitragen. Angesprochen auf die verschärften politischen Rahmenbedingungen reagierten viele Teilnehmer mit Unverständnis: „Gerade wir als regionale Verarbeiter können schon heute umfassend nachhaltige Produkte liefern, wenn uns die Politik nicht im Regen stehen lässt. Die vielen Vorteile, begonnen mit den hohen Treibhausgasvermeidungspotentialen über die Förderung regionaler Wertschöpfungsketten bis hin zur Produktion für Teller und Tank müssten auch die politischen Entscheidungsträger davon überzeugen die aufgebauten Strukturen nicht wieder in Frage zu stellen.“
Einen Ausblick auf die im nächsten Jahr im Rahmen der BImSchV-Novelle zu erwartenden Einführung der DIN 51605 für Rapsölkraftstoffe gab Herr Dr. Remmele vom TFZ aus Straubing, der auch maßgeblich an der Erarbeitung mit beteiligt war. Die Ablösung der Vornorm für Pflanzenölkraftstoffe, werden vor allem die P-, Ca-, und Mg-Gehalte drastisch abgesenkt, die Anforderungen an die Dichte enger gefasst und die Regelungen für Aschegehalt und Koksrückstand gestrichen. Grundlage sind die ebenfalls steigenden Anforderungen an die Abgasgrenzwerte bei Traktoren, die eine höhere Kraftstoffqualität erfordern.
Den zweiten Themenschwerpunkt bildete die derzeit in der Umsetzung befindliche Nachhaltigkeitsverordnung für Biokraftstoffe. Herr Martin Dotzauer (Regionaler Bioenergieberater der TLL) erläuterte in seinem Vortag die Grundlagen der Verordnung, die zum 01.01.2011 in allen betroffenen Betrieben umgesetzt sein muss.
Seine Erfahrung bei der Zertifizierung von Betrieben stellte Herr Dr. Sieber von der IFTA AG dar. Aus seiner Sicht ist anzumerken, dass gerade in den Anwendungsleitlinien für die Gutachter noch erheblicher Handlungsbedarf besteht. Probleme gibt es vor allem bei in Dienstleistung eingelagerter Biomasse, bei der Ermittelung und Auswertung der THG-Werte und bei der Lohnverarbeitung von Ölsaaten für Anbaubetriebe.
Zum Ende des ersten Veranstaltungstages wurde auch noch mal die Raps-Image-Initiative der UFOP im kommenden Jahr angesprochen und ein koordiniertes Vorgehen in den jeweiligen Ländern abgestimmt.
Die Betriebsbesichtigungen am folgenden Tag boten die Möglichkeit, die Rapssaatverarbeitung in zwei sächsischen Referenzbetrieben zu besichtigen. Bei der gastgebenden Agrargenossenschaft Bergland-Claunitz informierten sich die Teilnehmer über die Rapsverarbeitung und Rapsölkraftstoffnutzung in dem ca. 2.000 ha großen Landwirtschaftsunternehmen. Das produzierte Rapsöl und der Rapskuchen finden dort überwiegend im eigenen Betrieb Verwendung und sorgen so für geschlossene Kreisläufe und ein schlüssiges regionales Konzept zur Weiterentwicklung des Betriebes. Dem Geschäftsführer zufolge sind vor allem diese beiden Faktoren das Erfolgsrezept beim Ausbau seines Unternehmens um strategisch auf globalisierte Märkte und eine Verknappung der natürlichen Ressourcen zu reagieren. So passen auch die andern im Unternehmen genutzten erneuerbaren Energien wie die Biogasanlage, Windenergieanlagen und mehrere Photovoltaikanlagen zu dieser Entwicklungsstrategie.
Die zweite Besichtigung führte die Gruppe zur Rapsöl GmbH in Großhartmannsdorf. Dort wird vor allem Lohnverarbeitung für Landwirte vorgenommen und in geringem Umfang auch Pflanzenöl für Blockheizkraftwerke produziert. Das Trockenwerk auf dem Betriebsgelände, das schon auf eine lange Tradition zurück blickt, nutzt heute zur Wärmerzeugung eine Holzheizung um gerade in Jahren wie diesem den erhöhten Brennstoffbedarf nicht auf fossile Energieträger angewiesen zu sein.
Insgesamt zogen alle Teilnehmer ein positives Resümee der Veranstaltung, bei der es neben den planmäßigen Programmpunkten auch ausreichend Möglichkeiten gab, direkt über Fragen und Probleme ins Gespräch zu kommen. Das nächste Rapsölfachgespräch wird wieder in Zusammenarbeit mit den Thüringer Kollegen stattfinden und die Anknüpfungspunkte für eine gemeinsame Arbeit im nächsten Jahr fortführen.
Im Folgenden können Sie die Vorträge als PDF-Dateien herunterladen.
- Stand der Ölsaatenverarbeitungsanlagen in Thüringen
[Download, *.pdf, 3,9 MB]
Torsten Graf, TLL - Stand der Ölsaatenverarbeitungsanlagen in Sachsen
[Download, *.pdf, 3,8 MB]
Dr. Michael Grunert, LfULG - Rapsölqualität und DIN-Normen
[Download, *.pdf, 3,7 MB]
Dr. Edgar Remmele, TFZ - Praktischen Erfahrungen bei der Nachhaltigkeits-Zertifizierung
[Download, *.pdf, 57 kB]
Dr. Wolfgang Sieber, IFTA AG - Nachhaltigkeitsverordnung
[Download, *.pdf, 0,7 MB]
Martin Dotzauer, Regionaler Bioenergieberater der TLL - Image-Initiative der Ufop „Dezentraler Rapstag“
[Download, *.pdf, 0,6 MB]
Reik Becker, Regionaler Bioenergieberater des LfULG










