KoNaRo-Fachgespräch "Heizen mit Stroh und Co."
Obwohl man bei den erneuerbaren Energien zur Zeit fast nur über Biogas und das neue EEG redet, zeigt die Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (LLFG) in Bernburg, dass es auch andere erfolgversprechende Wege zur energetischen Nutzung von Biomasse gibt.
So beschäftigte sich eine Veranstaltung, die von der Koordinierungsstelle Nachwachsende Rohstoffe (KoNaRo) und der BioEnergieBeratung Sachsen-Anhalt am 27. Mai 2011 durchgeführt wurde, mit der direkten Wärmeerzeugung durch Verbrennung unterschiedlichster nachwachsender Rohstoffe.
Dr. Johann Rumpler stellte in seinem Eröffnungsvortrag die laufenden Forschungsaktivitäten der LLFG zu diesem Thema vor: So werden im Versuchsfeld neuartige Energiepflanzen wie Sida, Igniscum oder Switch-Gras angebaut und mit bekannten Pflanzen wie Mais oder Getreide verglichen. Um das geerntete Produkt verarbeiten zu können, befindet sich am Standort Iden eine Pelletierungsanlage im Aufbau. Die Brennstoffeigenschaften der Pellets sowie deren Abgasqualitäten werden im Biomassekessel in Bernburg in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Umweltschutz kontrolliert. Somit kann die Landesanstalt den kompletten Weg der Biomasse vom Anbau bis zur Wärmeerzeugung untersuchen und Empfehlungen für die Landwirte abgeben.
Über die schwierigen rechtlichen Rahmenbedingungen bei der Verbrennung alternativer nachwachsender Rohstoffe informierte Thorsten Breitschuh von der Beratungsfirma BELANU. Gerade bei der Stroh- und Getreideverbrennung hat der Gesetzgeber durch die strengen Grenzwerte in der neuen 1. Verordnung zum Bundesimissionsschutzgesetz hohe Hürden errichtet. Außerdem müssen Stroh- und Getreidekessel einer aufwändigen Typenzulassung mit Überprüfung der Dioxin- und Furanemissionen unterzogen werden. Beide Einschränkungen behindern zur Zeit einen weiteren Ausbau von Verbrennungsanlagen für Pellets, die nicht aus Holz bestehen.
Neueste Entwicklungen bei der Kesseltechnik erläuterte Werner Boos anhand der technischen Lösungen seiner Firma "Agro Ofenmanufaktur". Durch eine bauliche Entkoppelung von Vergasung, Nachverbrennung , Abgasreinigung und Wärmeübertragung wurde der Kessel modular aufgebaut und kann so an unterschiedliche Leistungsstufen und Brennstoffe angepasst werden. Laut Boos hält die Kesselanlage alle geltenden Rechtsvorschriften hinsichtlich der Staub-, CO- und NOx-Emissionen ein und kann je nach Brennstoff Wirkungsgrade von 90% erreichen.
Mit dem Thema Pelletierung beschäftigten sich die beiden letzten Vorträge. Rainer Büsching, Gesellschafter der Firma "Ecoworxx", stellte einen „All-in-one“-Pelletierer vor, der aus stückigem Holz in einem Arbeitsgang Pellets herstellen kann. Die Pelletierkosten liegen bei etwa 100 € je Tonne. Leider konnte das Gerät im Test mit verschiedenen Stroharten am Veranstaltungstag nicht überzeugen. Hier wäre laut Hersteller die vorhergehende Bearbeitung der Stoffe mit einer Hammermühle nötig.
Ein völlig anderes Konzept stellte Gregor Kraft für die Firma "Bauer-Power" vor. Hier bestellt der Landwirt einen Lohnunternehmer, der aus beliebigem Material Pellets herstellt. Die Technik besteht aus einem großen Anhänger, auf dem die Zuführung, die Hammermühlen, die Pelletierung und selbst ein eigenes Blockheizkraftwerk installiert sind. Auch hier liegen die Pelletierkosten bei etwa 100 € je Tonne.
Quelle: Thorsten Breitschu, BELANU








