FNR-Ländertour Sachsen-Anhalt in Ziegenhagen

 

Am 18.5.2011 trafen sich Vertreter von Verwaltungen, Unternehmen, Kommunen sowie aus der Landwirtschaft, um sich über erfolgreiche Bioenergieprojekte und geplante Maßnahmen zu informieren.

Nach den Grußworten durch den Landrat des Landkreises Stendal und des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt folgten die etwa 50 Gäste am Vormittag einer Reihe von Vorträgen zur allgemeinen Entwicklung der Bioenergie.

Thorsten Breitschuh stellte im ersten Vortrag die Arbeit der BioEnergieBeratung Sachsen-Anhalt vor. Hier steht neben der eigentlichen Betriebsberatung zu Bioenergieprojekten (Biogas, Wärmenetze, Blockheizkraftwerke, Biokraftstoff) auch die Information der Öffentlichkeit im Vordergrund. Aus aktuellem Anlass nannte Herr Breitschuh auch einige Eckpunkte des neuen EEG-Entwurfes und wertete kritisch deren Auswirkungen gerade auf die ostdeutsche Landwirtschaft.

Für die Bioenergieregion Altmark erklärte Henning Kipp einige schon durchgeführte Projekt und die geplanten weiteren Ziele und Veranstaltungen.

Dr. Heike Schimpf von der 'Koordinierungsstelle Nachwachsende Rohstoffe' ging auf die Bedeutung der Bioenergie für die sachsen-anhaltinische Landwirtschaft und Wirtschaft ein:
Allein die Ethanolherstellung nutzt 1,6 Mio t an zucker- und stärkehaltiger Biomasse, die allerdings teilweise auch aus den umliegenden Bundesländern stammen. Die in Sachsen-Anhalt erbauten Ethanolwerke produzieren etwa 55% des in Deutschland hergestellten Ethanols.
Zur Erzeugung von Biogas wurden in den vergangenen Jahren 212 Anlagen mit direkter Verstromung und 5 Gaseinspeisungsanlagen errichtet. Diese haben zusammen eine elektrische Leistung von 144 MW. Die Stromerzeugung aus Biogas entspricht damit 2,8% der im Land erzeugten Strommenge.

Dr. Ralf Winterberg stellte ein geplantes Projekt zur Halmgutverbrennung vor, dass vor allem in Gebieten mit Naturschutzauflagen relevant werden könnte. Dabei wird Material verbrannt, welches aufgrund der Schutzgebietsauflagen (z.B. späte Ernte, verholztes Material, Anteil von Beikräutern und holzartigen Pflanzen) nicht mehr für die Fütterung genutzt werden kann.
Gerade im Norden von Sachsen-Anhalt stehen beträchtliche Mengen solcher Rohstoffe zur Verfügung. Aufgrund von ungeklärten Finanzierungsfragen und einer nur langfristig gegebenen Wirtschaftlichkeit bei den bisherigen Preisen für fossile Brennstoffe konnten bislang noch keine Projekte umgesetzt werden.

Karl Heinz Jäger vom Agrarwirtschaftsbetrieb Demsin berichtete über die Umsetzung eines Fernwärmenetzes im Ortsteil Kleinwustewitz. Der Agrarbetrieb hat zur Verbesserung der Wärmeeffizienz in 600 m Gasleitungen, ein Satelliten-BHKW, einen Spitzenlastkessel und ein Fernwärmenetz nebst den Hausanschlüssen einen Betrag von 1 Mio Euro investiert. An das Netz wurden 46 Haushalte angeschlossen. Als Förderung wurden 20 Euro je Meter Trasse, 1800 Euro je Hausanschluss und 20% Zuschuss zur Gasleitung gewährt.
Für die angeschlossenen Haushalte wird Vollversorgung garantiert. Der Preis beträgt 5,6 Cent pro kWh Wärme, als Mindestbeitrag sind 600 Euro je Jahr zu zahlen. Da die Wärmeabnahme im vergangenen Winter sehr hoch war, konnte das Wärmenetz schon im ersten Jahr wirtschaftlich betrieben werden. Im Winter werden täglich 14 MWh Wärme verkauft, im Sommer sollen es 3 MWh je Tag sein. Um eine bessere Auslastung zu erreichen, müssen  noch weitere Haushalte angeschlossen werden. Deren zusätzlicher Wärmebedarf im Winter muss dann über den Spitzenlastkessel erbracht werden.

Ein Kooperationsprojekt zwischen einem Landwirtschaftsbetrieb (Agrargesellschaft Priesnitz GmbH) und den Technischen Werken Naumburg wurde durch Bodo Zier vorgestellt. Gemeinsam wurde die Firma RegTec gegründet, die in einem Gewerbegebiet der Stadt Naumburg eine  570 kW-Biogasanlage errichtet hat. Die BHKW wurden gesplittet: 190 kW stehen am Standort der Biogasfermenter, ein weiteres großes BHKW wurde in 1,7 km Entfernung an das Nahwärmenetz der Stadt Naumburg angeschlossen. Die Verlegung der Gasleitung war nur in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken möglich, da diese über die entsprechenden Konzessionsverträge mit der Stadt verfügen und so problemlos im öffentlichen Raum bauen konnten. Nachteilig sind die längeren Transportwege für Gülle und Gärsubstrate von den Flächen des Landwirtes in die Stadt.
In 2011 soll die Biogasanlage um 400 kW erweitert werden. Ein in 6 km Entfernung neu zu errichtendes BHKW soll dann am anderen Ende des Wärmenetzes einspeisen.
Die Biogasanlage ermöglichte es dem Betrieb, den Maisanteil in der Fruchtfolge wieder von 3% auf 6% zu erhöhen. Die Ausbringung des fast geruchlosen Gärrestes führt zu weniger Konflikten mit der Bevölkerung.
Für die Stadtwerke Naumburg bedeutet die Nutzung von Biogas eine deutliche Verbesserung der Einnahmesituation und eine höhere Kundenbindung durch die Nutzung der erneuerbaren Energien.
Von beiden Seiten wird die Gründung einer gemeinsamen Firma als wichtige Voraussetzung für den erfolgreichen Betrieb der Biogasanlage zum beiderseitigen Vorteil betrachtet. Für die Stadtwerke sichert diese Art der Kooperation einen langfristig stabilen Zugang zum Substrat für die Biogasanlage, für den Landwirt eine dauerhafte Teilhabe an der Wertschöpfung.

Feste Biomasse (meist in Form von Holz) leistet mit 42% immer noch den bedeutendsten Beitrag an der Gesamtnutzung der erneuerbaren Energien in Deutschland. Oft scheuen sich aber gerade größere Unternehmen, Wohnungsgesellschaften oder Kommunen, das mit der Holzverbrennung langfristig verbundene Einsparpotenzial zu nutzen, da ihnen das Wissen und die Erfahrung im effektiven Umgang mit Biomasse als Brennstoff fehlt.
Hier bietet die Firma HERZ aus Quellendorf  die Möglichkeit des "Wärmecontracting" an - Thema des letzten Vortrags. Der Auftraggeber verhandelt mit der Firma HERZ einen Wärmepreis und entsprechende Nebenbedingungen (Laufzeit, Preisanpassungsbedingungen, Abrechnungsmodalitäten, Standort der Heizung usw.) und bekommt dann „fertige“ Wärme geliefert. Der Aufbau der Heizung, die Betreuung und die Brennstoffversorgung übernimmt der Contractor. Für den Auftraggeber bietet ein solches Modell die Möglichkeit, ohne eigenen personellen und finanziellen Aufwand an den Vorteilen der Biomasseheizung (Treibhausgasreduktion, besseres Image, u.U. Preiseinsparungen gegenüber fossilen Brennstoffen) zu partizipieren. Zudem wird bei Wohnungsgesellschaften die Abrechnung mit den Mietern deutlich vereinfacht, da nur noch eine Kostenposition – nämlich der Einkauf der fertigen Wärme – auf die Mieter umgelegt werden muss.

 

Quelle: Bioenergieberatung Sachsen-Anhalt; Bioenergieregion Altmark; Koordinierungsstelle Nachwachsende Rohstoffe

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Wettbewerb Bioenergiedörfer
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