Exkursion nach Niederndodeleben
BioEnergieBerater besichtigen Bioraffinerie-Anlage
Wie macht man aus Mais und Rübenschnitzeln reines Erdgas? Die Antwort auf diese Frage suchten die BioEnergieBerater aus Sachsen-Anhalt und Mitglieder des NAROSSA e.V. am 21. Juni 2010 bei einer Besichtigung der Bioraffinerie-Anlage in Niederndodeleben.
Die Führung übernahm Chris Döring von der GETEC AG Magdeburg, die zusammen mit der Agrobördegrün GmbH aus Niederndodeleben seit 2009 die Bioraffinerie-Anlage Niederndodeleben betreibt.

Hier werden in einer Biogasanlage vorrangig Mais (20.000 t bzw. die Erntemenge von 500 ha Silomaisfläche) aus dem eigenen Anbau des Landwirtschaftsbetriebes zusammen mit 25.000 t Zuckerrübenpressschnitzeln aus der nahen Zuckerfabrik vergoren.
Das dadurch entstehende Biogas wird aufwändig auf einen Methangehalt von über 97 % gereinigt und dann durch Zugabe von Flüssiggas und einem Geruchsstoff exakt an die Eigenschaften des "normalen" Erdgases angepasst. Das Gas wird ohne staatliche Ausgleichszahlungen am freien Markt an Gashändler verkauft. Endkunden sind zum Beispiel Eigenheimbesitzer, die bei ihrem Gasversorger einen Tarif mit einem Biogasanteil zwischen 5 % (z.Bsp. LichtBlick-Gas) und 100 % (z.Bsp. ENTEGA Naturbalance Erdgas) wählen.
Beeindruckend waren die Sauberkeit und der nicht vorhandene Geruch in der Anlage. Selbst ein "frisch gezapfter" Becher Gärrest roch eher nach gekochtem Spinat und kam diesem auch optisch sehr nahe. Dies ist auf die ausschließlich pflanzlichen Einsatzstoffe zurückzuführen.
Die Biogasanlage hätte - wenn man sie mit einer konventionellen Anlage mit BHKW vergliche - eine Leistung von ca. 2 MWelektr und erzeugt 850 m3 Gas je Stunde.

Aufgrund der guten geographischen Lage können die Rohstoffe und der Gärrestdünger auf kurzen Wegen (unter 15 km) transportiert werden. Auch wenn nun deutlich mehr Menge je Hektar bewegt werden müssen, ist das nicht zwangsläufig mit einem höheren Transportaufwand verbunden:
Vorher wurde der Weizen teilweise bis in die Niederlande gefahren und die nächsten Stickstoffdüngerwerke stehen in Piesteritz und Rostock.
Für den Landwirtschaftsbetrieb bedeutet die Biogasanlage eine verbesserte Wertschöpfung. Statt wie bisher Rohprodukte zu verkaufen, wird nun ein Endprodukt angeboten. Weitere positive Nebeneffekte für die Region sind die vier neuen Arbeitsplätze und ein fast geschlossener Nährstoffkreislauf im Betrieb. Die Biogasanlage stellt neben der Beteiligung am Bioölwerk Magdeburg die zweite bedeutende Investition des Landwirtschaftsbetriebes auf dem Gebiet der Erneuerbaren Energien dar.
Die Methangaserzeugung aus Biomasse stellt eine gute Alternative zur direkten Stromgewinnung aus Biogas dar: Der Strom muss immer abgenommen werden, auch wenn er vielleicht gar nicht benötigt würde (z.Bsp. bei starkem Wind und 100 % Windstrom im Netz).
Bio-Methan wird zwar auch kontinuierlich erzeugt, kann aber - wie "normales" Erdgas - in unterirdischen Kavernen gespeichert und bei Bedarf beispielsweise in Gaskraftwerken in Strom und Wärme umgewandelt werden. Die Lagerung als Gas ist dabei bedeutend effizienter als den Strom in Batterien zu speichern.
Quelle: Thorsten Breitschuh, BELANU (Projektpartner BioEnergieBeratung)








