Exkursion nach Feldheim
Ein Ort versorgt sich komplett und unabhängig mit erneuerbarer Energie

Feldheim, ein Ortsteil von Treuenbrietzen in Brandenburg, versorgt sich seit 2009 autark mit Strom und Wärme. Über die Umsetzung dieses Modells hat sich eine Gruppe von etwa 20 Landwirten, Bürgern und Beratern aus Sachsen-Anhalt und Thüringen am 12.10.2010 vor Ort informiert. Veranstalter der Exkursion waren die Bioenergieberatung Sachsen-Anhalt gemeinsam mit dem Landesbauernverband und der Firma BELANU.
Die Einwohner Feldheims, die naheliegende Agrargenossenschaft Fläming e.G. und die EQ-SYS Solarfabrik werden seit Dezember 2009 mit „Biowärme“ versorgt. Die Agrargenossenschaft betreibt dazu eine Biogasanlage mit 500 kW elektrischer Leistung und 522 kW thermischer Leistung. Für den Fall, dass dies nicht ausreicht, stehen ein Holzhackschnitzelkessel mit 299 kW Leistung und einem 60 m³ Speicher sowie drei Thermo-Booster mit je 360 kW zur Verfügung. Die Anlagen werden mit Substraten aus der Umgebung betrieben.

35 der insgesamt 37 Haushalte haben sich an das eigens dafür verlegte Wärmenetz anschließen lassen. Die beiden verbleibenden Höfe beitzen Wald und hatten erst in den letzten Jahren in moderne Holzheizungen investiert. Das Wärmenetz hat ca. 1,7 Mio. € gekostet und wurde mit Landes- und EU-Mitteln gefördert. Die Kosten für die Wärme betragen 7,5 Cent je Kilowattstunde bei einem monatlichen Grundpreis von 29,95 €. Das Wärmenetz gehört der Feldheim Energie GmbH und Co. KG, die 2008 von den Einwohnern Feldheims gegründet würde. Jeder Haushalt hat eine Anschlussgebühr von 1.500 € für das Wärmenetz eingezahlt.
Die Stromversorgung der 145 Einwohner und der Solarfabrik übernimmt der in Sichtweite gelegene Windpark der Firma Energiequelle GmbH mit 43 Windkraftanlagen und einer Gesamtleistung von 74,1 MW. Bei Flaute kommt der Strom aus der Biogasanlage.

Hierzu musste eigens ein Stromnetz verlegt werden, da der örtliche Stromnetzbetreiber die Nutzung der vorhandenen Netze untersagte. Die Stromzähler in Feldheim zeigen den Hausbesitzen jederzeit an, ob gerade preiswerter Windstrom oder teurer Biogasstrom genutzt wird. Damit sollen die Stromkunden animiert werden, möglichst viel Windstrom zu nutzen und so den Strompreis niedrig zu halten. Einige Hausgerätehersteller nutzen diese Technik in Feldheim als Testfeld für „Smart-Grid“-Geräte. Dabei wird geprüft, inwieweit moderne Hauhaltsgeräte in der Lage sind, ihren Strombedarf abhängig vom Strompreis zu steuern.
Finanziert und betrieben wird das Stromnetz von einer Tochterfirma der Energiequelle GmbH, der Energiequelle GmbH & Co WP Feldheim 2006 KG, die das Projekt geplant hat. Der Strompreis beträgt 16,6 Cent je Kilowattstunde bei einer Grundgebühr von 5,95 im Monat und bleibt für 10 Jahre konstant. Jeder Anschlussnehmer musste 1500,- € als einmalige Einlage in die GmbH & Co KG erbringen. Mitte nächsten Jahres soll eine Stromspeicherung für den Bedarf von etwa 2 Tagen mit einem Natrium-Schwefel-Akkumulator nachgerüstet werden, um den Windstrom noch effektiver zu nutzen.
Im Zuge der günstigen Strom- und Wärmepreise hat sich die EQ-SYS Solarfabrik in Feldheim angesiedelt, sie hat derzeit 22 Angestellte und 2 Auszubildende. Die Firma, die ebenfalls während der Exkursion besichtigt wurde, stellt verschiedene Unterkonstruktionen mit und ohne Nachführung für Fotovoltaikmodule her. Auf den Trackern werden unterschiedliche Module hinsichtlich ihrer Stromerträge und Materialeigenschaften im Freilandversuch getestet.

Anschließend bestand die Möglichkeit, eine E-70 Windkraftanlage zu besichtigen. Dies wurde von den Exkursionsteilnehmern mit großem Interesse angenommen. Leider war an dem Tag Flaute und somit konnte die Geräuschkulisse eines Windparks und einzelner Windkraftanlagen nicht erkundet werden.
Den Abschluss bildete die Besichtigung des nahegelegenen Solarparks Selterhof. Hier hat die Energiequelle GmbH auf Teilen des ehemaligen Militärgeländes einen Solarpark mit 284 Fotovoltaikmodulen und 2,26 MWp elektrischer Leistung errichtet. Der erzeugte Strom wird unterirdisch zum Umspannwerk in Feldheim geleitet.
Die noch vorhandenen Bunker dienen Fledermäusen als Quartier. Um eine Verbuschung des Geländes zu vermeiden, sind Schafe als „Landschaftspfleger“ eingekoppelt.
Aufgrund der vorhanden Erfahrung mit der Erzeugung von Wind-, Solar- und Biogasstrom und Wärme sowie der Erstellung entsprechender Verteilnetze wird in Feldheim ein Energie-Kompetenz-Zentrum entstehen. Die Planungen hierfür sind im vollen Gange. Außerdem wird wird geprüft, inwiefern sich das Energiekonzept auf die restlichen Ortsteile der Stadt Treuenbrietzen ausweiten lässt. Wie die FNR mitteilte, wurde Feldheim am 25.10.10 als einer der drei Preisträger im Wettbewerb der Bioenergiedörfer ausgewählt.
Text: Bianca Jelinek, BIOBETH Fotos: Thorsten Breitschuh, BELANU








