Feldführungen in Bernburg-Strenzfeld
Kennen Sie die? Energiepflanzen stellen sich vor
„Energiepflanzen“ – ein Begriff, der in letzter Zeit immer öfter im Zusammenhang mit erneuerbaren Energien oder Biomassenutzung fällt. Doch welche Pflanzen verbergen sich dahinter und wie können sie energetisch genutzt werden?
Diese und andere Fragen wurden bei Feldführungen am 17. und 26. August in Bernburg-Strenzfeld beantwortet. Eingeladen hatten dazu die BioEnergieBeratung Sachsen-Anhalt und die Koordinierungsstelle Nachwachsende Rohstoffe (KoNaRo) der Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (LLFG). An beiden Tagen bestand jeweils vormittags und nachmittags die Möglichkeit, die verschiedenen Energiepflanzen-Versuchsflächen der LLFG unter fachkundiger Begleitung zu besichtigen.
Dass das Interesse an diesem Thema auch bei „Nichtlandwirten“ recht groß ist, zeigten die zahlreichen Teilnehmer. Einige interessierte Besucher fanden sich auch außerhalb der angebotenen Feldführungstermine ein. Selbstverständlich ermöglichten die Mitarbeiter der KoNaRo auch diese kurzfristigen Führungen.

Vom Treffpunkt am Konferenzgebäude der LLFG ging es bequem und mit gutem Ausblick per Traktor und Ackerwagen hinaus auf die Versuchsfelder. Den Teilnehmern wurde erläutert, was sich hinter dem Begriff „Energiepflanzen“ verbirgt und wie vielfältig die Nutzungsmöglichkeiten der Pflanzen sind - zur Erzeugung von Strom, Wärme und Kraftstoffen. Ein kurzer Überblick zur Entwicklung und zum Stand des Energiepflanzenanbaus in Deutschland und Sachsen-Anhalt machte deutlich, dass diese Pflanzen, die 2009 bundesweit auf ca. 1,7 Mio. ha angebaut wurden, heute und auch in Zukunft aus dem praktischen Anbau nicht mehr wegzudenken sind.
Die ersten Stationen waren die Versuche zu Hirse, Getreideganzpflanzen und standortangepassten Anbausystemen, die vor dem Hintergrund der Biogasnutzung durchgeführt werden. Vor Ort konnten die Teilnehmer mehr über Herkunft, Unterscheidung und Besonderheiten im Anbau von Zuckerhirse und Sudangras erfahren. Auch Zielrichtung, Hintergründe und Ergebnisse der Versuche stellten die Fachleute der LLFG (Dr. Boese, Frau Reichardt) sehr anschaulich vor. Neue Arten und neue Verwendungsrichtungen bekannter Kulturpflanzen machen solche Versuche zu grundlegenden Fragestellungen (Ertragsfähigkeit, -sicherheit) vor dem praktischen Anbau in der Landwirtschaft unbedingt erforderlich.

Ein Höhepunkt der Führungen dürfte, nicht zuletzt aufgrund der Vielfalt der angebauten Pflanzen, der „Energiepflanzenpark“ gewesen sein.
Für die Besucher völlig unbekannte Arten wie Igniscum, Rumex, Switchgras, Triarrhena, Sida oder Durchwachsende Silphie stießen natürlich auf besonders großes Interesse. Die Fachleute der LLFG vermittelten viele interessierte Details zu diesen mehrjährigen Energiepflanzen. Dr. Rumpler berichtete hier auch über die äußerst positiven Emissionswerte bei der Verbrennung von Switchgras in Pelletform. Gerade das Switchgras (Verbrennung) und die Durchwachsende Silphie (Biogaserzeugung) könnten nach Meinung der Experten zukünftig echte Alternativen für die Landwirtschaft werden. Doch bis dahin müssen noch viele Fragen in wissenschaftlichen und praxisorientierten Versuchen beantwortet werden.
Auch ökologische Aspekte werden bei solchen Versuchen nicht vernachlässigt. So erhalten die Pflanzen im Energiepflanzenpark mit 60 kg/ha Stickstoff weniger Dünger als „normale“ Ackerkulturen, in der Regel geringere Mengen bzw. keine Pflanzenschutzmitteln und erreichen dennoch vergleichsweise hohe Biomasseerträge.
Die Kurzumtriebsplantage (KUP) unmittelbar neben dem Energiepflanzenpark war die letzte Station der Feldführung. Dabei handelt es sich um schnell wachsende Baumarten (Pappel, Weide u. a.), die auf Ackerland für etwa 20 Jahre angebaut werden und einen Ernterhythmus (Umtrieb) von 2 - 4 Jahren aufweisen. Erzeugt werden sollen daraus Hackschnitzel für die Verbrennung in größeren Biomassekesseln oder in Heizwerken. Weil der Ertrag für die Wirtschaftlichkeit einer solchen Anlage ein entscheidendes Kriterium ist, werden in Deutschland derzeit an 36 Standorten die Ertragsfähigkeit verschiedener Pappel- und Weidenklone getestet. Vier Versuchsanlagen - darunter die in Bernburg - befinden sich in Sachsen-Anhalt.
Erstaunt waren die Teilnehmer über den üppigen Wuchs der Bäume, die sich aus den erst im Mai 2008 in den Boden gebrachten 20 cm langen Steckhölzern entwickelt haben. Ohne Düngung und Pflanzenschutz sind solche Anlagen auch aus ökologischen Gesichtspunkten für die Praxis interessant.

All diese Informationen wurden von den „Nichtlandwirten“ mit Interesse aufgenommen. Dies zeigten auch die vielfältigen Nachfragen, die oft mit einer angeregten Diskussion verbunden waren.
Somit bieten Feldführungen eine ideale Möglichkeit, ein Ziel der BioEnergieBeratung - die Verbraucherinformation zu Energiepflanzen und Bioenergie - einer breiteren Öffentlichkeit näher zu bringen. Auch die Teilnehmer bezeichneten die Veranstaltung trotz ungünstiger Witterungsverhältnisse als sehr interessant und informativ.
Zudem nutzten sie rege die Gelegenheit, sich mit Informationsmaterialien zu versorgen, die in einer breiten Palette zur Verfügung gestellt wurden.
Auch die Mitteldeutsche Zeitung berichtete am 18. August 2010 in ihrer Ausgabe über die Feldführung zu den Energiepflanzen (Link).
LLFG/KoNaRo / BioEnergieBeratung Sachsen-Anhalt








