Europäische Biomassetage 2010
Interessante Veranstaltungen in Sachsen-Anhalt
Am 4. Oktober 2010 fand bereits zum 8. Mal in Bernburg die Auftaktveranstaltung anlässlich der Europäischen Biomassetage der Regionen 2010 statt. Zur Veranstaltung kamen ca. 100 Teilnehmer aus den Bereichen Landwirtschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zusammen, um die Frage „Bioenergie in Sachsen-Anhalt – Sind wir auf dem richtigen Weg?“ zu diskutieren. Zu den Veranstaltern gehörte neben dem Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt und der Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (LLFG) auch die BioEnergieBeratung Sachsen-Anhalt.

Nach dem Grußwort des Ministers Dr. Aeikens wurden die europäischen und nationalen Ziele im Hinblick auf die Erneuerbaren Energien (Dr. Dreher, BMU) sowie der Stand der Bioenergie in Sachsen Anhalt (Dr. Schimpf, LLFG/KoNaRo) vorgestellt.
Inwieweit Biomasseproduktion und Nachhaltigkeit in landwirtschaftlichen Betrieben zusammen gehen, beleuchtete Thorsten Breitschuh (BELANU BioEnergieBeratung Sachsen-Anhalt).
Mit Blick auf die Artenvielfalt gibt es keine guten oder schlechten Fruchtarten, so Dr. Glemnitz (ZALF) in seinem Vortrag zu ökologische Folgewirkungen des Energiepflanzenanbaus. Monokulturen führen generell zum Rückgang der Artenvielfalt, wohingegen die Kombination von verschiedenen Pflanzenarten zu einem Artenzuwachs von 15 – 20 % führt.
Sehr anschaulich mit vielen Hintergrundinformationen erläuterte Dr. Töpfer (Getreide-Agentur GmbH) die Ursachen von Markt- und Preisentwicklungen auf den landwirtschaftlichen Rohstoffmärkten. Versorgungsengpässe sind demnach trotz der Bioenergienutzung zumindest mengenmäßig nicht zu erwarten.
Da das Thema Pachtpreise und Biomasseproduktion zurzeit viel diskutiert wird, dürfte der Vortrag von Dr. Sievers (LLFG) über die Entwicklungen auf dem Landpachtmarkt in Sachsen-Anhalt für viele Zuhörer von besonderem Interesse gewesen sein. Nach seinen Untersuchungsergebnissen ist der Anstieg der Pachtpreise auf mehrere Gründe zurückzuführen, wobei der Silomaisanbau vermutlich nur eine untergeordnete Rolle spielt.
In der anschließenden Podiumsdiskussion positionierten sich die Vertreter aus Politik, Verwaltung, Verbänden sowie der Anlagenbetreiber und Energieversorger.
Am 7. Oktober 2010 standen in Magdeburg die Planung, die Genehmigung und der Betrieb von Bioenergieanlagen im Mittelpunkt einer weiteren Veranstaltung im Rahmen der Europäischen Biomassetage. Das Programm beinhaltete verschiedene rechtliche Aspekte wie die Zuständigkeiten für und die Genehmigungsbedürftigkeit von Biogas- und Bioerdgasanlagen in Sachsen-Anhalt (Peter Janasch, LVwA), die Privilegierung im Außenbereich nach § 35 Baugesetzbuch (Hartwig von Bredow, Rechtsanwaltskanzlei Schnutenhaus & Kollegen) und die Co-Vergärung von Biomasse in Kläranlagen (Hans-Walter Schneichel, Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord).
Den Maßnahmen zur Emissionsminderung bei Biogasanlagen widmete sich Dr. Plöchl (BioenergieBeratungBornim GmbH), indem er die Vorgaben der VDI-Richtlinie 3475 Blatt 4 vorstellte. Diese werden die bei der Genehmigung von Neuanlagen zukünftig Anwendung finden.
Dr. Schneider (LAU) gab einen aktuellen Überblick über die in Sachsen-Anhalt bei der Verbrennung von Biogas in BHKW’s gemessenen Formaldehydemissionen.
Mit seinem Vortrag zu den heute gebräuchlichen Verfahren der Aufbereitung von Biogas auf Erdgasqualität vermittelte Ulf Richter (Malmberg Bioerdgastech GmbH) einige technische Grundlagen.
Dr. Rumpler (LLFG) berichtete über die Betriebserfahrungen mit dem Biomassekessel am Standort Bernburg und die ersten Ergebnisse der Verbrennungsversuche mit den neuen Kulturen wie Switchgras oder Igniscum. Aufgrund vieler günstiger Eigenschaften (z. B. pflanzenbaulich, heiztechnisch) rechnet er beim Switchgras mit einem besonders hohen Nutzungspotenzial.
Das Interesse an beiden Veranstaltungen war mit ca. 100 bzw. 75 Gästen recht groß. Es wurden viele interessante und neue Informationen vermittelt, die bei der Verwirklichung der Ziele zur Nutzung der Bioenergie in den kommenden Jahren in der ein oder anderen Weise sicher Berücksichtigung finden werden.
Quelle: KoNaRo








