Biogasbetreiberstammtische zum Thema Rührwerke

 

Zu den Herbstterminen der Biogasbetreiberstammtische trafen sich Anlagenbetreiber am 25.10.10 in der Osterland Landwirtschafts GmbH in Stößen bei Naumburg und am 26.10.10 im Agrarwirtschaftsbetrieb Demsin GmbH. Organisiert durch die KoNaRo und die BioEnergieBeratung Sachsen-Anhalt finden diese Stammtische regional jeweils zweimal im Jahr statt.

Geschäftsführer Herr Helm zeigte den Gästen in der Stallanlage Stößen, wie in dem 3.500-ha-Betrieb mit 5.000 Schweinen und 1.700 Rindern die organischen Dünger energetisch genutzt werden. Die Osterland Landwirtschafts GmbH hat im Jahr 2009 eine 537-kW-Biogasanlage errichtet und verwertet neben Mischgülle und Silomais auch etwa 5-7 t Stallmist (Rottemist) je Tag.

Die Abwärme der MT-Anlage mit Deutz-BHKW wird zur Beheizung der Schweinzuchtställe und für die Trocknung u. a. von Getreide und Grünfutter in einer Unterflur-Trocknungsanlage genutzt. Rein rechnerisch wird acht Monate des Jahres die Wärme komplett genutzt.

Karl-Heinz Jäger vom Agrarwirtschaftsbetrieb Demsin GmbH stellte am 26.10.2010 seine Biogasanlage vor, die neben Silomais und Gülle täglich mit etwa 12 t Grassilage „gefüttert“ wird. Die Zuführung der Feststoffe erfolgt über zwei Dosierer. Die zweistufige Anlage (Fermenter, Nachgärer) verfügt zudem über ein gasdicht abgedecktes Gärrestlager. Erst in diesem Jahr erfolgte die Erweiterung um ein Satelliten-BHKW mit 250 kWelektr, aufgestellt in der freien Flur zwischen Ortslage und dem Landwirtschaftsbetrieb.
Seit 1. September 2010 liefert das Satelliten-BHKW die Wärme für das neu errichtete Nahwärmenetz von Kleinwusterwitz. Angeschlossen sind ca. 48 Haushalte und damit ca. 95% der Einwohner. Um die Versorgung kontinuierlich gewährleisten zu können, wurde ein „Notkessel“ in das System eingebunden, das in letzter Instanz auch auf Flüssiggas zurückgreifen kann. Automatisch schaltet es sich in Havariefällen bzw. bei Unterschreitung einer bestimmten Vorlauftemperatur im Wärmenetz zu.

Beide Anlagen zeigen, dass die Wärmeverwertung ein wichtiger Aspekt bei der Nutzung von Biogas ist. Sie entsprechen durch die Ausstattung mit Oxydationskatalysator und gasdicht abgedecktem Gärrestlager auch den höheren Umweltanforderungen.

Zum Hauptthema der Stammtische referierte Kai Rostalski von der Firma KSB in Halle über die Vor – und Nachteile der verschiedenen Bauformen von Rührwerken in Biogasanlagen. Er verwies darauf, dass die Rührtechnik bis zu 60% des Eigenenergieverbrauches benötigt und die Umstellung auf optimierte Rührwerke beträchtliche Stromeinsparungen ermöglicht. Gleichzeitig können moderne Rührwerke die Substrate besser durchmischen und führen zu einer gleichmäßigeren Ausnutzung des Faulraumes und damit zu höheren Biogaserträgen. Dabei ist nicht die Motorleistung der entscheidende Faktor, sondern die hydraulisch wirksame Leistung (Axialschub).

Aus Sicht von Rostalski sind Propellerrührwerke den Paddelrührwerken energetisch und wirtschaftlich überlegen, da sie eine gezieltere Strömung erzeugen. Im Gegensatz zur bisherigen Philosophie der meisten Anlagenbauer sollten die Propeller aber größer sein (bis zu 2,5 m Durchmesser) und mit geringeren Drehzahlen (n= 50–80 U/min) laufen. Bei gleicher hydraulischer Rührleistung sind Stromeinsparungen von bis zu 75% möglich. In einem Praxisbeispiel wurde gezeigt, dass neben der Senkung des Stromverbrauchs aufgrund der besseren Durchmischung der Substrateinsatz um bis zu 17% reduziert werden konnte. Positiver Nebeneffekt ist ein deutlich geringeres Restgaspotenzial und damit eine sinkende Belastung der Atmosphäre mit Methan. Den genannten Vorteilen steht der um etwa 40% höhere Anschaffungsaufwand gegenüber herkömmlichen Schnellläufer-Rührwerken entgegen. Zur Überraschung der Zuhörer will sich aber auch Rostalski nicht vollständig von den Schnellläufern trennen. Diese Rührwerke dienen in dem vorgestellten Konzept als Unterstützungssystem für das kurzzeitige Unterrühren von Schwimmschichten, da es hier nicht allein auf die hydraulische Leistung sondern vor allem auf das Erzeugen von Verwirbelungen zur Zerstörung der Schwimmschicht ankommt. Rostalski wies weiterhin darauf hin, dass neben der Art des Rührwerkes deren Positionierung in den immer größeren Fermentern von hoher Bedeutung ist. Nur wenn es gelingt, dass die einzelnen Rührwerke das Substrat bis zum nächsten Propeller transportieren, kann eine optimale Durchmischung erreicht werden.

Ein besonderes Angebot für Biogasanlagenbetreiber offerierten Dr. Sievers und Dr. Rust aus dem Bereich Betriebswirtschaft der LLFG. Sie boten den Teilnehmern eine neutrale „Betriebszweigauswertung (BZA) Biogas“ an. Voraussetzung für die anonymisierte Auswertung ist, dass Daten von mindestens 6 gleichartigen Biogasanlagen vorliegen. Dafür sind entsprechende Erfassungsbogen auszufüllen, die den Teilnehmern bzw. allen Interessenten auf Wunsch zugeschickt werden. Geplant ist, weitere Biogasanlagenbetreiber in Sachsen-Anhalt anzuschreiben. Die anonyme Nutzung der Daten wird - wie beim Testbetriebsnetz - mit Vertrag sicher gestellt.
Fragen zur geplanten „BZA Biogas“ können direkt an Dr. Rust (Tel.: 03471/334-330; Volker.Rust(bei)llfg.mlu.sachsen-anhalt.de) gerichtet werden.

Die nächsten Stammtische sind für das Frühjahr 2011 geplant. Sie werden wie immer in unserer Rubrik Veranstaltungen und auf der Internetseite der LLFG/KoNaRo unter www.llfg.sachsen-anhalt.de (> KoNaRo > Veranstaltungshinweise) veröffentlicht.

 

Text: Thorsten Breitschuh (BELANU); Dr. Heike Schimpf (LLFG/KoNaRo)
Foto: Thorsten Breitschuh, Grafik: KSB AG Halle

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