Exkursion zum Thema Strohballenheizung und Biogasanlage auf Güllebasis
Eine Gruppe von Landwirten und Beratern hat sich am 2.11.09 bei einer Fahrt nach Thüringen drei Bioenergieanlagen angeschaut.
Der erste Besichtigungstermin war in Dobia bei Zeulenroda. Der Familienbetrieb Köber (100 ha LF, 80 Milchkühe) wollte 2006 seine Heizung grundlegend erneuern. Ziel war es, eigene Rohstoffe ohne großen Zusatzaufwand an Geld und Arbeitszeit in einer weitestgehend automatisierten Heizung zu verbrennen. Wegen der vorhanden Erntetechnik war Stroh der bevorzugte Brennstoff. Da eine Pelletierung zusätzliche Kosten und Transportaufwendungen bedeutet, sollte die Strohballen direkt verfeuert werden. Die meisten Produzenten von Biomassekesseln am deutschen Markt bieten aber – wenn sie überhaupt Stroh als Brennstoff zulassen – nur Heizkessel für pelletiertes Material an. Die Lösung des Problems fand Landwirt Köber bei einem Besuch in Dänemark. Dort werden Strohballen auch im niedrigen Leistungsbereich direkt verfeuert.
In der Folge wurde in eine 60-kW-Anlage der dänischen Firma REKA investiert, die sowohl Rund- als auch Quaderballen beliebiger Größe auflösen und direkt verbrennen kann.
Trotz der hohen Investitionskosten (zum gegenwärtigen Stand etwa 50.000 € brutto) rechnet sich der Betrieb der Anlage, da das Stroh mit den vorhandenen Maschinen geborgen werden kann und die darin enthaltenen Grundnährstoffe nach der Verbrennung dem Acker wieder zugeführt werden. Pro Jahr werden etwa 30 t Stroh (das entspricht etwa 100.000 kWh Wärme) in dem Vier – Seiten – Hof mit mehreren Wohnungen, dem Stall und der Werkstatt verbraucht. Die Aufwendungen für die Bereitstellung des Brennstoffes liegen dauerhaft bei etwa 1,5 Cent je kWh. Damit ist die Wärmeenergie trotz der hohen Kosten für die Abschreibung des Kessels von ca. 5 Cent je kWh immer noch preiswerter als mit Heizöl. Bei einem vergleichbaren Ölkessel fallen gegenwärtig etwa 6 Cent/kWh Brennstoffkosten und 1 Cent Abschreibungen auf den Kessel an.


Nach der Kleinanlage im Vogtland wurde das ebenfalls mit Ballenstroh arbeitende Strohheizwerk der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft in Jena besichtigt. Hier werden maximal bis zu 1.700 kW Wärmeleistung bereit gestellt.
Die Technik kommt von der Firma LINKA und wird ebenfalls in Dänemark hergestellt.Der dritte Programmpunkt war der Besuch einer 190 – kW – Biogasanlage in Knau. Hier hat die Agrofarm Knau durch den Anlagenbauer Dr. Köber neben der Milchviehanlage mit 350 Kühen eine optimal an den Standort angepasste Biogasanlage errichtet. Die Anlage kostete etwa 3.700 € je kW und ist damit vergleichsweise preiswert. Der große Vorteil liegt in der Genehmigung der kleineren Biogasanlagen nach dem Baurecht. In Knau wurde im Herbst 2008 erstmals über eine Biogasanlage nachgedacht, der Bauantrag wurde im Februar 2009 gestellt und am 25.5.09 ging das BHKW in Betrieb. Nach einem weiteren Monat lief die Anlage auf Volllast.
Das Methangas entsteht aus täglich 38 m³ Gülle und 3 – 4 Tonnen Cosubstrat : Maissilage, Futterreste sowie Schrot aus dem Siebabgang der Braugersten- und Saatguterzeugung.
Die Abwärme des PEWO – Gasmotors wird zu etwa 10 % für die Wärmeversorgung der Milchviehanlage genutzt. Neben der erhöhten Grundvergütung für Kleinanlagen, dem NaWaRo- und dem Güllebonus kann der Betrieb so auch noch teilweise den KWK- Bonus in Anspruch nehmen und spart etwa 30.000 Liter Heizöl im Jahr ein.
Der Vorsitzende der Agrargenossenschaft – Helmut Gumpert – erläuterte, dass die Anlage nach Abzug aller Kosten einen Beitrag zum Ergebnis der Milchviehanlage in einer Größenordnung von etwa 2 Cent je kg Milch liefert. Das sind beim gegenwärtigen Milchpreis fast 10 % mehr Milchgeld!
Die nächste Bioenergieexkursion zum Thema „Strohpelletierung“ wird voraussichtlich im Februar 2010 stattfinden.










