Am 02. Dezember 2010 fand auf dem Eichhof in Bad Hersfeld die Fachtagung „Öffentlichkeitsarbeit und Konfliktmanagement bei Bioenergieprojekten“ statt. Ein Thema, das bei einem stetigen Wachstum der Bioenergiebranche einen aktuell hohen Stellenwert hat, da von verschiedenen Seiten und aus den unterschiedlichsten Motivationen heraus zusehends Vorbehalte gegenüber neuen Projekten geäußert werden.

Im Mittelpunkt der Tagung standen daher Erfahrungen und Beispiele aus Theorie und Praxis die aufzeigen sollten, wie die Planungen von Bioenergieanlagen auf der eine Seite und die Fragen und Bedenken von unmittelbar oder mittelbar Betroffener auf der anderen Seite möglichst aufeinander abgestimmt werden können. Übergeordnetes Ziel sollte es dabei sein, alle beteiligten Personenkreise in den Planungs- und Umsetzungsprozess einzubinden, um Reibungsverluste und Konfliktpotenziale möglichst zu minimieren oder im Idealfall erst gar nicht entstehen zu lassen.

Trotz chaotischer und winterlicher Straßenverhältnisse, dem auch leider der Vortrag von Andreas Koch vom Hessischen Umweltministerium zum Opfer fiel, fanden rund 60 interessierte Teilnehmer/-innen den Weg nach Bad Hersfeld um die Fachvorträge zu verfolgen und intensiv zu diskutieren.

So berichtete zunächst Hinrich Neumann, der als freier Agrarjournalist auch die Moderation der Veranstaltung übernahm, sehr pointiert über den Wandel von Bioenergieprojekten in der öffentlichen Darstellung und Wahrnehmung. sowie möglichen Ursachen für diese Entwicklung.

Manuel Maciejczyk vom Fachverband Biogas stellte anschließend die Entwicklung der Bioenergiebranche vor dem Hintergrund des EEG dar und präsentierte eine Reihe von Hilfestellungen seitens des Verbandes, insbesondere Biogasprojekte durch Öffentlichkeitsarbeit zu begleiten. Von ihm kam auch der nachdrückliche Hinweis an die Politik, dass durch die Novelle des EEG Bioenergieprojekte oftmals unter erheblichem Zeitdruck realisiert würden und damit fast zwangsläufig Planungsfehler und Fehler bei einer ausreichenden Beteiligung der Öffentlichkeit in der Projektrealisierung gemacht würden, die in der Konsequenz fast immer zu Konflikten führen.

Über einen positiven, nahezu reibungslosen Verlauf eines Biogasprojektes konnte Jens Geveke, Biogasanlagenbetreiber aus Westerstede/Ammerland, sehr anschaulich berichten. Ausgangspunkt auf dem Weg zu Realisierung seines Vorhabens war im Wesentlichen die Frage danach, wie es möglich sein würde, eine Anlage zur Vergärung von Grünschnitt nicht in Flächenkonkurrenz zur den örtlichen Landwirtschaft aufzubauen, sondern den Landwirten eine ökonomisch sinnvolle Ergänzungsnutzung Ihres Grünschnittes anzubieten. Wesentlich zur erfolgreichen Umsetzung des Vorhabens war aus seiner Sicht vor allem die frühzeitige Einbindung der Bevölkerung des Ortes in den Planungsprozess und die Ermittlung ihrer Interessen und derer der Landwirtschaft im Ort. Ganz wesentlich war eine technische Anpassung der geplanten Anlage, die sich genau nach dem zu richten hatte, was die Bedarfsermittlung im Vorfeld erbrachte.

Über einen Fall vollständig festgefahrener Gespräche und vermeintlich unüberwindbarer Differenzen zwischen einem ortsansässigen Investor einer relativ kleinen Biogasanlage und einem Teil der Bevölkerung berichtete Matthias Balzer, Ortsvorsteher der mittelhessischen Gemeinde Petersberg-Melzdorf. Auch hier, und da waren sich Herr Balzer und Mitglieder der örtlichen Bürgerinitiative die als Teilnehmer die Tagung besuchten einig, waren Kommunikationsprobleme gleich zu Beginn des Vorhabens wesentlich mitverantwortlich dafür, dass sich die beiden Interessensgemeinschaften nicht aufeinander zu, sondern weit voneinander wegbewegten. Ein für alle Seiten zufrieden stellendes Ergebnis sein derzeit auch noch nicht in Sicht.

Aufbauend auf derartigen Erfahrungen konnte Doreen Klipstein, Richterin und Wirtschaftsmediatorin, in ihrem streckenweise in Dialogform mit dem Auditorium geführten Vortrag anschaulich verschiedene Möglichkeiten der Konfliktbewältigung durch begleitete Besprechungen und Öffentlichkeitsveranstaltungen darstellen. Sehr überzeugend arbeitete sie auch an einem Beispiel heraus, dass ein Dialog zwischen Interessensparteien nur dann zielführend geführt werden kann, wenn sich alle Seiten ernst nehmen, mit Respekt gegenübertreten und sch nicht als Gegner, sondern als Partner mit unterschiedlichem Herangehensweisen in einem Projekt zu sehen..

Alle Referenten betonten in ihren Ausführungen nachdrücklich, dass aus ihren Erfahrungen der Erfolg von Bioenergieprojekten in hohem Maße davon abhängig ist, alle Beteiligten wie Investoren, Planer, Behördenvertreter und insbesondere aber betroffene Bürger so früh wie möglich zusammenzubringen und das Vorhaben gemeinsam zu erörtern. Nur so sei es allen Seiten möglich, rechtzeitig Informationen auszutauschen, Fragen und Bedenken vorzutragen, diese zu diskutieren sowie mögliche Konfliktpotenziale herauszuarbeiten. Ziel muss es in jedem Fall sein, Zweifeln und Missverständnissen bei allen Beteiligten entgegenzuwirken und diese nach Möglichkeit auszuräumen.

Wenn Sie weitergehende Informationen durch die „bioenergie-hessen“ wünschen oder Kontakt zu den Referenten aufnehmen möchten, rufen Sie uns einfach unter 05542-9380-14 an (Ansprechpartner: Herr Funda) oder schicken eine E-Mail an k.funda(bei)witzenhausen-institut.de

Vortragspräsentationen/Leitfäden zum Download:

Hinrich Neumann
Bioenergieprojekte im Wandel des öffentlichen Meinungsbildes

Manuel Maciejczyk
Hilfestelungen für eine positive Öffentlichkeitsarbeit seitens des Fachverbandes Biogas e. V.

Doreen Klipstein
Vermeidung von Gesprächsblockaden und Grundzüge eines konstruktiven, zielführenden Dialogs

Jens Geveke
Zusammenarbeit von Biogasanlagen und Landwirten in einer Grünlandregion

Matthias Balzer
Erfahrungen aus der Moderation eines umstrittenen Biogasprojektes

Martin Rohmund
Öffentlichkeitsarbeit und Konfliktmanagement bei Bioenergieprojekten

NABU Leitfaden Erneuerbare Energien: Konflikte lösen und vermeiden

NABU Kommunikationsratgeber zum Ausbau Erneuerbarer Energien

Biomasse-Heizkraftwerk Neuwied

 

Link zu den Förderschwerpunkten.
Kampagne 'Deutschland hat unendlich viel Energie'
Wettbewerb Bioenergiedörfer
© www.nachwachsende-rohstoffe.de