Der Landwirt als Energiewirt
Kurzumtriebsplantagen: Holz vom Acker - Von der Pflanzung bis zur Verbrennung
Am 31.08.2010 fand in Reichelsheim eine Informationsveranstaltung mit dem Thema „Der Landwirt als Energiewirt“ statt. Organisiert hatte diese halbtägige Veranstaltung das ortsansässige Amt für den ländlichen Raum. Im Mittelpunkt stand die holzige Energiepflanzenproduktion auf landwirtschaftlichen Flächen und damit die Bewirtschaftung von Kurzumtriebsplantagen. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Frau Kniß und Herrn Didion vom hiesigen Amt für den ländlichen Raum.
Zunächst referierte Herr Dr. Hofmann vom Witzenhausen-Institut über das Thema „Kurzumtriebsplantagen – von der Pflanzung bis zum Brennstoff“. Neben den Rahmenbedingungen für die Standortwahl und Anlage von Kurzumtriebsplantagen wurde auf die Artenwahl (Pappel, Weide, Robinie) und das Vermehrungsgut eingegangen. Eingesetzt werden hierbei Steckhölzer, Steckruten und Setzstangen von Pappel und Weide. Dabei wurde natürlich auf die Pflanz- bzw. Erntetechnik eingegangen. Mit einem durchschnittlichen Ertrag zwischen 10 und 12 t Trockenmasse pro Hektar und Jahr produzieren die schnellwachsenden Baumarten eine beachtliche Menge holziger Biomasse. Dies entspricht einem Heizöläquivalent von 5.100 Liter. Allerdings sind die Erträge, wie auch bei rein landwirtschaftlichen Kulturen, abhängig vom Nährstoffangebot, in erster Linie aber vom Wasserhaushalt eines Standorts. Während beim 3 bis 5 jährigen Umtrieb die Ernte mittels Mähhäcksler durchgeführt wird, kann bei den Plantagenbäumen mit einer Standzeit von über 10 Jahren aufgrund ihrer Dimensionen Forsttechnik (z. B. Motorsäge, Harvester) eingesetzt werden; das anfallende Holz kann entweder stofflich oder energetisch verwertet werden. Dass Kurzumtriebsplantagen nach einer gewissen Standzeit ohne größeren Aufwand auch wieder in Flächen mit regulärer landwirtschaftlicher Bewirtschaftung überführt werden können, zeigte Dr. Hofmann am Ende seines Referates auf.
Ob oder inwieweit Kurzumtriebsplantagen eine wirtschaftliche Alternative zur herkömmlichen Landbewirtschaftung darstellen, bearbeitete Herr Staub vom Landesbetrieb Landwirtschaft (Eichhof) thematisch in seinem Vortrag „Wie rechnen sich Kurzumtriebsplantagen im Vergleich zum Marktfruchtanbau?“. Zunächst wurden die einzelnen Kostenfaktoren der beiden Bewirtschaftungsformen gegenübergestellt, daneben auch die verschiedenen Ernteerträge und Erlöse. An Hand mehrerer Parameter, wie die künftige Entwicklung des allgemeinen Preisniveaus, der Energiekosten, der Kosten für die Kulturpflege (Pflanzenschutzmittel, Dünger etc.) und der Erlösseite, zeigte Staub eindrucksvoll deutliche Divergenzen zwischen den beiden Bewirtschaftungsformen auf. Viele der Veranstaltungsteilnehmer waren überrascht, als Staub dann sein betriebswirtschaftliches Fazit präsentierte: Besonders ausschlaggebend für die Wirtschaftlichkeit von Kurzumtriebsplantagen ist die Entwicklung der Energiekosten, die, wie die letzten Jahre gezeigt haben, durchschnittlich deutlich stärker als andere Parameter gestiegen sind. Langfristig finanziell betrachtet ist die Bewirtschaftungsform „Kurzumtriebsplantage“ eigentlich die lohnendere Variante. Allerdings sollte immer einzelfallweise entschieden werden, da die Betriebsstrukturen doch sehr unterschiedlich sein können.
In einer anschließenden Gesprächsrunde wurde intensiv mit den Referenten diskutiert, zumal es derzeit kaum Erfahrungen mit Kurzumtriebsplantagen im Odenwaldkreis gibt.
Abgerundet wurde das Programm mit einer Exkursion nach Brensbach, wo der Anbau von Miscanthus, der fertige Brennstoff und die dazugehörige Heizanlagentechnik gezeigt wurden. Vor Ort wird bereits schon seit einigen Jahren der Miscanthusanbau auf mehreren Hektar Fläche erfolgreich betrieben, wie der Bewirtschaftende Böck den Teilnehmern erklärte. Von der Rhizomgewinnung für die Pflanzung bis hin zur Ernte des Aufwuchses wurde über die Flächenbewirtschaftung mit dieser Grasart informiert. Jährlich wachsen auf einem Hektar rd. 15 t Biomasse heran, die einen Energiewert von ca. 8.000 l Heizöl besitzen. Herr Germann, Mitgeschäftsführer und -initiator der Miscanthus Gersprenztal GmbH sowie Heizungsbauer, zeigte den Einsatz von Miscanthus in Heizanlagen auf. Zudem wird durch den Miscanthusanbau in der Umgebung und der energetischen Verwertung vor Ort ein besonders hoher Effizienzgrad erzielt. Neben der energetischen Verwertung in Form von Häckselgut kann Miscanthus allerdings auch stofflich (Spanplattenproduktion, Wärmedämmung, Einstreu) eingesetzt werden.
Nach einer ausführlichen Gesprächsrunde am Miscanthusfeldrand traten gegen 18 Uhr die über 20 Teilnehmer ihren Heimweg an.

- Nach der Vorstellung der Beratungsoptionen im Bereich „Energiepflanzenanbau“ informierte Dr. H. Hofmann über Anlage und Bewirtschaftung von Kurzumtriebsplantagen.

- Über die Wirtschaftlichkeit von Kurzumtriebsplantagen referierte B. Staub.

- W. Germann präsentierte Heizanlagentechnik für die energetische Verwertung von Miscanthushäcksel.

- T. Böck stellte seine bereits mehrjährigen Anbauerfahrungen mit Miscanthus vor.






