Zuckerrübe

Zuckerrübe (Beta vulgaris)

Die Zuckerrübe gehört zur Familie der Fuchsschwanzgewächse und ist eine Kulturpflanze, die zur Zuckergewinnung in Ländern mit gemäßigtem Klima – vor allem in Europa, den Vereinigten Staaten aber auch in China und Japan – angebaut wird.

Wie auch die Futterrübe und die Rote Bete stammt die Zuckerrübe von der Wild-Rübe ab, deren Vorkommen schon seit 2.000 v. Chr. nachgewiesen wurde. Zunächst wurde die Rübe vor allem als Futtermittel angebaut, erst seit Mitte des 18. Jahrhunderts wurde sie hinsichtlich ihres Zuckergehaltes gezüchtet. Mit 17 bis 22 % Zucker ist sie heute die zuckerreichste Pflanze in Europa.

Hohe Ansprüche stellt die Zuckerrübe an ihren Standort. Tiefgründige Böden mit einem reichhaltigen Nährstoffvorrat, wie sie auf humosen Lehm- und Lößböden anzutreffen sind, gelten als optimal. Lößreiche Regionen wie die süddeutschen Gäulandschaften (z. B. um Straubing) und die Norddeutschen Börden (z. B. Soest, Magdeburg) sind deshalb bevorzugte Anbaugebiete für die Zuckerrübe und auch Standorte der Zuckerindustrie, die in den vergangenen Jahren aber die Anzahl ihrer Niederlassungen deutlich reduziert hat.

Die Zuckerrübe ist eine zweijährige Pflanze, sie wird zur Zuckergewinnung aber nur ein Jahr angebaut. Im ersten Jahr bildet sie Blätter, Faserwurzeln und den Rübenkörper, in dem Kohlenhydrate in Form von Saccharose gespeichert werden. Durch die lange Wachstumsperiode (ca. 180 - 220 Tage) und die weit ausladenden Blätter verwertet sie die Sonnenstrahlen noch bis in den Spätherbst hinein. Daher kann eine einzelne Rübe ein Gewicht von 1.000 bis 1.300 g erzielen. Im zweiten Jahr bildet sie einen bis 150 cm hohen Blütenstand und Samen aus. Durch Spätfröste kann auch im ersten Jahr dieses Schossen erfolgen, allerdings ist es unerwünscht, weil es zu Lasten der Rübenkörperausbildung stattfindet und die maschinelle Ernte erschwert. Einzelne „Schosser“ werden deshalb rechtzeitig entfernt. Zuckerrübensamen werden in sogenannten Samenknäueln angelegt, die aus mehreren Blüten gebildet werden. Früher wurden diese Knäuel ausgesät und die ungleichmäßig auflaufenden Rüben mussten von Hand vereinzelt (gehackt) werden. Heute erfolgt eine Saatgutaufbereitung, bei der die Knäuel zerschlagen werden und die einzelnen Samen, mit Insektiziden und Fungiziden gegen Auflaufschäden ummantelt (pilliert), in den Landhandel kommen.

Die Zuckerrübe wird im Frühjahr mit einer Einzelkornsämaschine gesät. Sie mag feinkrümelige, nährstoffreiche Böden mit guter Wasserversorgung und ein warmes Klima. Die Ernte erfolgt ab Mitte September mit hochmodernen Rübenvollerntern. Die Erträge liegen zwischen 450 und 800 dt/ha.

Im Jahr 2010 produzierte Deutschland auf der Anbaufläche von 344.820 ha fast 2,5 Mio. t Zuckerrüben (FAO). Die richtige Düngung ist besonders in Bezug auf die Versorgung mit Kalium wichtig. Bei einem Ertrag von 600 dt/ha liegt der Bedarf an Phosphor bei 110 bis 120 kg/ha, an Kalium 450 bis 470 kg/ha und an Magnesium 90 bis 100 kg/ha. Außerdem ist eine Stickstoffversorgung mit 170 bis 180 kg/ha nötig. Zuckerrüben sollten in der Fruchtfolge nicht häufiger als alle drei Jahre angebaut werden. Als Nachfrucht bietet sich Getreide an.

Zunehmend bedeutend wird die Zuckerrübe als Energiepflanze, vor allem zur Produktion von Bio-Ethanol und Biogas. Sie dient auch als wichtiger Bestandteil der Energiepflanzenfruchtfolge. In Deutschland werden für den Anbau von Rüben zur Erzeugung von Bio-Ethanol 26.000 ha und für Biogas 3.800 ha verwendet. Aus 1 ha Zuckerrüben kann man durch alkoholische Gärung und Fermentation ca. 7.500 Liter Ethanol gewinnen. Als Nebenprodukte fallen dabei Rübenschnitzel an, die als Rinderfutter verwendet werden und Melasse. Melasse ist ein nährstoff- und zuckerreicher Sirup, der als Brotaufstrich zur industriellen Alkoholgewinnung und in der Futtermittelindustrie verwendet wird.

Mit ihrem hohen Anteil an direkt fermentierbaren Kohlenhydraten (94 % i. d. TS) und guter Methanausbeute ist die Zuckerrübe ein wertvolles Substrat für Biogas, das in 10 bis 15 Tagen nahezu vollständig vergoren ist. Bei einem mittleren Ertrag von 55 t/ha lassen sich ca. 4.700 m³ Methan pro ha erzeugen. Außerdem kann für die Biogaserzeugung auch das Rübenblatt verwendet werden.

Gegenwärtig wird an verschiedenen Erntetechniken für die Biogasrüben gearbeitet. Auch eine Ernte als Ganzpflanze ist denkbar. Für den Einsatz in Biogasanlagen müssen auf jeden Fall Sand und Steine von den Rübenkörpern entfernt werden, da sich diese sonst im Gärbehälter der Biogasanlage ablagern und die Einbringtechnik stören. Ein weiterer Aspekt, an dem gegenwärtig noch geforscht wird, ist die ganzjährige Verfügbarkeit der Rübe als Biogassubstrat. Es werden Versuche zur Konservierung im gemusten Zustand, zur Silierung im Folienschlauch oder zur Einsilierung mit Mais und zur Lagerung in der Feldmiete durchgeführt.

Weiterführende Links:

Zuckerrübe (FNR)
http://www.energiepflanzen.info/pflanzen/zuckerruebe/

Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ) / Verein der Zuckerindustrie e.V. (VdZ)
http://www.zuckerverbaende.de/

Zuckerrüben spielen für die Bioenergie keine Rolle – Die Vorteile des Rübenanbaus liegen in der konventionellen Produktion und Verwendung. Industrierübenproduktion gewinnt jedoch an Bedeutung
www.kleffmann.com/opencms/opencms/de/media-center/Pressemitteilungen/Zuckerruebe

C.A.R.M.E.N. e.V.

 

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